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Mikropille
senkt Gesundheitsrisiko
Antibabypille:
Durch weniger Hormone zu noch mehr Sicherheit
Zwei
Faktoren - so Dr. Ulrich
Horst Winkler, Gesamthochschule Essen, auf dem in Berlin
veranstalteten „Internationalen Symposium „Vom Wirkstoff aus der Wurzel zur modernen
Mikropille“ - führten
in den vergangenen Jahren dazu, daß der Östrogenanteil der neu
entwickelten Antibabypillen ständig in der Diskussion blieb:
Þdie
Einnahme der Pille führte bei vielen Frauen zu unerwünschten
Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen,
Gewichtszunahme und Schmerzen in den Brüsten
Þdie
Zufuhr großer Mengen an Östrogenen erhöhte nachweislich das
Risiko für Thrombosen und Embolien
Aufgrund
dieser Tatsachen versuchten die Hersteller dieser Verhütungsmittel
seit drei Jahrzehnten immer erfolgreicher, den in der Pille
verwendeten Östrogenanteil auf ein gerade noch vertretbares
Minimum abzusenken. Wollte man diesen Trend kurz charakterisieren,
so müßte man das Streben nach einer hohen Sicherheit bei der
Empfängnisverhütung bei gleichzeitiger Verminderung des
Herz-Kreislaufrisikos herausstellen. Dies ist in den letzten
Jahren sehr gut gelungen.
Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt daher, daß weltweit
pro Tag etwa 100 Millionen Frauen die „Pille“ einnehmen - und
dies bei ständig verbesserter Akzeptanz und Einnahmezuverlässigkeit.
Einen
Höhepunkt hatte diese Entwicklung in Richtung maximierter
Sicherheit vor einigen Jahren erreicht, als Präparate entwickelt
wurden, die aufgrund eines Östrogenanteils von nur noch 30 bis 40
Mikrogramm als „Mikropille“ bezeichnet wurden.
Der
vorläufige Endpunkt dieser im Interesse der Patientinnen so
sinnvollen Entwicklung war die Markteinführung von Lovelle
â
. Dieses von der Firma Organon
entwickelte Präparat enthält nur noch 20 Mikrogramm Östrogen
- das entspricht im Vergleich zum nächstniedrig dosierten Präparat
einer nochmaligen Reduktion des Östrogenanteils um ein Drittel.
Diese
Absenkung des Östrogenanteils sorgt dafür, daß - bei
gleichbleibender Sicherheit der empfängnisverhütenden Wirkung
- das Thromboserisiko nochmals reduziert werden konnte.
Dr.
Ojvind Lidegaard,
Universität Kopenhagen, erinnerte
in diesem Zusammenhang daran, daß sich in den letzten
Jahren mindestens 14 wissenschaftliche Studien mit dem Einfluß
der Antibabypille auf das Thromboserisiko (cerebraler
thromboembolischer Attacken (CTA)) beschäftigt haben. All
diese Studien zeigten zwar bei Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva
ein erhöhtes Thromboserisiko - dabei muß aber beachtet werden -
so der Wissenschaftler mit Nachdruck - daß all diese Studien zu
einem Zeitpunkt angefertigt wurden, als lediglich hochdosierte
Präparate (mehr als 50 Mikrogramm Östrogen) weit verbreitet
waren.
In
neuester Zeit wurde daher in Dänemark von der Arbeitsgruppe um Dr.
Lidegaard eine Studie durchgeführt, um das Thromoserisiko bei
der Anwendung niedrigstdosierter oraler Kontrazeptiva zu
ermitteln. Diese Studie schloß 497 Frauen im Alter zwischen 15
und 44 Jahren ein, die in der Zeit von 1985 bis 1989 eine
Thrombose erlitten hatten, sowie eine altersbezogene
Kontrollgruppe von 1.370 gesunden Frauen.
Bei
der Auswertung der Daten zeigte sich eine deutliche Beziehung
zwischen dem Einsatz oraler Kontrazeptiva
und einem geringfügig erhöhten Risiko für das Auftreten
einer Thrombose. Der
Schweregrad der durchgemachten thromboembolischen Erkrankung war
aber eindeutig abhängig von der Höhe des jeweiligen Östrogengehalts
der verwendeten Pille. Sogenannte „Mikropillen“, deren Östrogenanteil
nur bei 30 bis 40 Mikrogramm Östrogen liegt, zeigten lediglich
eine geringe Erhöhung des Risikos auf 1.8, während dieser Wert
bei den höher dosierten Pillen bereits bei 2.9 lag.
Es
ist wichtig zu wissen - so
Dr. Lidegaard - daß die Häufigkeit von Thrombosen mit
zunehmendem Lebensalter stark ansteigt. Daher ist das von der
Pille ausgehende Risiko bei einer vierzigjährigen Frau auch etwa
zehnmal so hoch wie bei einer Frau in den Zwanzigern.
Das
absolute Basalrisiko eine Thrombose zu erleiden liegt bei einer
20jährigen Frau bei 2/100.000 und bei einer 40jährigen Frau
bei 20/100.000. Durch die Pilleneinnahme erhöht sich
dieses Risiko bei einer 20jährigen Frau auf 2 bis 3/100.000.
Zusammenfassend
meinte Dr. Lidegaard
daher, daß das
Thromboembolie-Risiko für eine 20jährige Frau auch nach Einnahme
einer niedrig dosierten Pille nur geringfügig erhöht ist.