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BBC-II-Sendung zum Thema Risiko der Pillen der dritten Generation

 

 

Ende 1995 kam aufgrund mehrerer wissenschaftlicher Studien (WHO-Studie, Transnational-Studie) der Verdacht auf, daß die oralen Kontrazeptiva der sog. dritten Generation angeblich doppelt so viele Thrombosen verursachen, wie die Vorgängergeneration der Pillen (zweite Gene­ration). In diesem Umfeld kam es insbesondere in England und Deutschland zu einer Panik, da die Presse sehr undifferenziert berichtet hatte. Außerdem wurde von den Behörden versäumt, die Ärzte so frühzeitig zu warnen, daß sie vor ihren Patientinnen über die für eine wissenschaftlich korrekte Aufklärung benötigten Informationen verfügen.

Aufgrund der irrationalen Aufregung war die unbestrittene Hauptbotschaft der Studien nicht wahrgenommen worden. Diese lautete: Alle derzeit eingesetzten Pillen sind ungewöhnlich sichere Arzneimittel. Auch das von den Pillen der dritten Generation ausgehende Gesundheitsrisiko ist ungleich geringer einzuschätzen als jenes, das von einer Schwangerschaft oder gar einer Schwangerschaftsunterbrechung ausgeht. Folge der Pillenpanik waren daher insbesondere in Großbritannien zahlreiche zusätzliche Schwangerschaftsabbrüche, sowie eine nicht erfaßbare Zahl ursprünglich  unerwünschter Schwangerschaften sowie Geburten.

 

Jetzt hat eine industrieunabhängig durchgeführte Recherche von BBC II  gezeigt, daß die völlig überzogene Panikmache der britischen Gesundheitsbehörden ohne jegliche Absprache mit den Autoren der betreffenden Studien erfolgt ist. Diese hatten den Behörden die noch nicht veröffentlichten vorläufige Daten auf vertraulicher persönlicher Basis zur Verfügung gestellt und wurden von der Veröffentlichung ebenso überrascht wie die Ärzte und die betroffenen Frauen. Es verwundert daher nicht, daß sich die Autoren heute vor der Kamera von BBC II von den Schlußfolgerungen distanzieren, die die britischen Behörden - unter Mißachtung der Meinung der Fachleute - aus den vorläufigen Zahlen gezogen haben.

 

Heute kristallisiert sich folgender Stand der Dinge heraus: da die Pillen der dritten Generation aufgrund des geringen Hormonanteils als besonders sicher galten, wurden sie wahrscheinlich auf deren Drängen hin vermehrt jenen Risikopatientinnen (Raucherinnen, frühere Thrombosen etc.) verordnet, die eigentlich überhaupt keine Pille einnehmen sollten. Dies ist allerdings schwer zu belegen, da die Zahl der Pillenkonsumentinnen so hoch und die Zahl der auftretenden Thrombosen so gering ist. Daher ist zu vermuten, daß die minimal erhöhte Thrombosezahl  - es geht in Großbritannien um 2 zusätzliche Tote pro Jahr -  nicht mit der Art der eingenommenen Pillen zusammenhängt, sondern vielmehr mit der unterschiedlichen zahlenmäßigen Verbreitung der Risikofaktoren bei den Verbraucherinnen unterschiedlicher Pillentypen. 

Der Autor einer Studie spricht daher auch vor den Kameras des BBC II den gefun­denen Unterschieden jegliche klinische Bedeutung ab. 

Mittlerweile sind allerdings neue große Studien beendet worden, in deren Verlauf beispielsweise Prof. Farmer über drei Jahre die Daten von 500.000 Frauen ausgewertet hat. Dabei zeigte sich zwischen den Pillen der zweiten und dritten Generation keinerlei statistisch signifikante Unterschiede. 

Es verwundert daher nicht, daß sich die Autoren der von den britischen und deutschen Gesundheitsbehörden (die anderen europäischen Länder schlossen sich den „Vorsichtsmaßnahmen“ nie an) zur Entfachung der Pillenpanik mißbrauchten Studien schon seit längerer Zeit mehr oder weniger deutlich von der offiziellen Deutung der Studienergebnisse distanzieren. Sie verweisen darauf, daß sie 1995 nicht an den Beratungen über erforderliche – besser nicht erforderliche – Maßnahmen beteiligt waren und von den  übereilten Schlußfolgerungen völlig überrascht wurden. 

Abschriften der 30minütigen BBC-Sendung sowie Videoaufzeichnungen sind vorhanden und können bei Interesse eingesehen werden.

 

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